"Das Leben ist bunt...

...genieße es!"

Von Raben und Bären

Ich war ein ziemlich verträumtes Kind, und ehrlich gesagt, bin ich das auch heute noch.
Auf jeder längeren Autofahrt drehte sich meine Mutter zu mir herum und fragte über die Schulter: „Bist du noch da?“  Ich antwortete stets gewissenhaft und knapp: „Ja“, um dann unverzüglich wieder einzutauchen in meine wunderbare Welt von armen Prinzessinnen, tollkühnen Helden, kargen Landschaften, düsteren Mooren und natürlich uralten Ruinen.

Durch mein Elternhaus wehte stets ein kreativer Geist, wir unterhielten uns stundenlang über Literatur und Kultur, besuchten Ausstellungen und Museen, Konzerte und Theateraufführungen gehörten zu unseren monatlichen Terminen. Diese entspannte Atmosphäre prägte mich sehr und so war es nicht verwunderlich, dass eines Tages zwei kleine Glasfiguren - ein Rabe und ein Bär - aus dem Wohnzimmerschrank meiner Oma zu den Titelhelden meines ersten Buches wurden.

Ich war damals in der fünften Klasse und so stolz auf mein literarisches Werk, dass ich in den darauffolgenden Monaten drei weitere folgen ließ. Den krönenden Abschluss meiner Buchreihe bildete ein kriminalistisches Meisterstück, an dessen Ende natürlich der Gärtner der Täter war. 

Nun ja, wie war das mit dem „Meister“ und dem „Himmel“?
Nach diesem kurzen Gastspiel verlor sich vorerst meine literarische Spur im Dickicht meiner allgemeinen Zukunftspläne und fiel in einen fast hundertjährigen Schlaf…


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